Arten- und Biotopschutz in der Stadt

08.06.2010 | Augsburg
Augsburg und München: Zwei Beispiele für viel Natur in der Stadt. Arten- und Biotopschutzprogramm zeigt bayernweit Besonderheiten von Flora und Fauna

"Natur und Stadt sind kein Gegensatz", betonte Richard Fackler, Vizepräsident des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) heute vor den Zuhörern der Fachtagung "Natur in der Stadt - Impulse für die Zukunft". Denn laut Fackler gibt es in Städten oft unbemerkt erstaunlich viele Tier- und Pflanzenarten. Städte beherbergen eine enorme Vielfalt an Lebensräumen. Die Naturschützer des LfU können das im Einzelnen belegen: So sind im Stadtgebiet Augsburg rund 3400 Pflanzen- und Tierarten und 686 Biotope erfasst. In München sind es etwa 4100 bzw. 567. Allerdings sind die städtischen Freiflächen einem stärkeren Nutzungsdruck ausgesetzt als zum Beispiel der ländliche Raum. Der Arten- und Biotopschutz muss daher sorgfältig mit vielfältigen Anforderungen in Einklang gebracht werden. Deshalb spielen nicht nur die Ansprüche der Stadtbewohner an Erholungs- und Erlebnisräume, sondern auch die Bewertung von Bodenfunktionen und das Stadtklima eine große Rolle. Den Planern, die diese Belange abwägen, bieten die sogenannten Arten- und Biotopschutzprogramme (ABSP) eine detaillierte Grundlage. Mittlerweile gibt es bereits für fast 50 % der kreisfreien Städte und 100% der Landkreise in Bayern ein solches ABSP, das flächenscharf zeigt, wo wertvolle Arten und Lebensräume vorkommen, Augsburg soll 2011 fertig gestellt werden. Darauf aufbauend können konkrete Vorschläge erarbeitet werden, wie die biologische Vielfalt wirksam erhalten werden kann, so Fackler.

Besonders schutzwürdige Lebensräume in Augsburg sind die noch großflächig vorhandenen Auwälder an Lech und Wertach und die besonders artenreichen trockenen Magerrasen zum Beispiel in der Dürrenaster Heide und der Schießplatzheide. Auch viele typisch städtische Biotope in Parks und Grünanlagen tragen zur Naturvielfalt in Augsburg bei. Zahlreiche Vogelarten wie Eisvogel, Rebhuhn und sieben Spechtarten, darunter der als Höhlenbauer sehr wichtige Schwarzspecht haben hier einen Lebensraum gefunden. Aber auch weniger auffällige Tierarten wie Laubfrosch, Wechselkröte und Bergmolch leben hier. Teile von Augsburg sind damit sogar bayernweit von herausragender Bedeutung für den Artenschutz.

In München finden sich besonders schützenswerte Lebensräume in Resten der Kalkhaiden und des Dachauer Mooses, in den Au- und Hangleitenwäldern der Isar, sowie in den Eichen-Hainbuchenbeständen der Lohwälder. Immer seltener leben hier bestimmte Laufkäfer, Tagfalter- oder Wildbienenarten. Diesen Arten gilt daher das Augenmerk der Experten, ebenso dem Gartenrotschwanz, dem Idas-Bläuling und der Blauflügeligen Ödlandschrecke. Diese Arten kommen zwar in München noch relativ häufig vor, sind aber im übrigen Bayern sehr selten geworden. Dabei sichern die wenigen naturnahen Flächen über 80 Prozent der Artenvielfalt. Wichtig sind hier vor allem naturnahe Wälder, Magerrasen, nährstoffarme Brachen, Feuchtgebietsreste, naturnahe Auenlebensräume an der Isar, Bäche, Nebengleisanlagen, Parks und Friedhöfe.

Quelle: Pressemeldung Bayerisches Landesamt für Umwelt

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